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31.07.2018, 20:01 Uhr | Südkurier / Manfred Beathalter
So sieht der Umweltminister die Baaremer Öko-Erfolge
• Franz Untersteller auf Sommertour in Donaueschingen und Wolterdingen • Bauern, Naturschutz und Politik kooperieren vorbildlich • Die Stille Musel soll endlich wieder in Mäandern fließen können
Vitale Gewässer: Damit können Donaueschingen und der Schwarzwald-Baar-Kreis durchaus punkten. Und dafür gab es gestern auch Lob von Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen), Baden-Württembergs Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Er macht auf seiner Sommertour an der Stillen Musel in Donaueschingen und an der Breg in Wolterdingen die Erfahrung, dass viele unterschiedliche Interessen auf der Baar unter einen Hut gebracht wurden. Nach anfänglichem Streit und Diskussionen ziehen Landwirte, Naturschutz, Wasserwirtschaft, Regierungspräsidium und Stadt Donaueschingen immer mehr an einem Strang. Heraus kommen Verbesserungen für die Natur, Fluss- und Bachläufe, die aus dem engen, mit dem Lineal gezogenen Bett herauskommen sollen und damit die Landschaft sozusagen in Eigenregie vorteilhaft umgestalten.
Umweltminister Untersteller (Dritter v.l.) nennt die Renaturierung der Stillen Musel ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Interessengruppen.
Spazierwege in der "Camargue der Baar"?
Wolterdingens Ortsvorsteher Reinhard Müller bringt dies sogar dazu, beim Minister anzufragen, ob die inzwischen am Ortseingang von Wolterdingen entstandene kleine „Camargue der Baar“ nicht besser auch für Spaziergänger erschlossen werden könnte. Man solle den Leuten doch auch zeigen, was mit dem Geld passiert, wenn es in Ausgleichsmaßnahmen wie den Wolterdinger Staudamm und in die Renaturierung geflossen ist.

Donaueschingens Oberbürgermeister Erik Pauly und Joachim Gwinner, Stellvertreter des Landrats, zeigten dem Minister nicht ohne Stolz auf, dass die Gewässer-Sanierung und eine möglichst naturnahe Entwässerung rund um Donaueschingen schon einige Zeit im Blick seien.

Michael Koch von der Wasserwirtschaft und Gerhard Bronner, Umweltberater des Gemeindeverwaltungsverbandes (GVV), seien mit Hilfe des Landes schon länger dabei, „die Fehler der Vergangenheit wieder zu beheben und große Anstrengungen zu unternehmen, sich der schlechten Entwicklung entgegen zu stemmen“, macht Pauly deutlich.

Der Biber bereitet Kopfzerbrechen Minister Untersteller stellte heraus, „dass wir heute wieder etwas klüger sind“. Auch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 lasse gar keine andere Wahl: Erwartet werde bis zum Jahr 2027 „ein guter ökologischer Zustand der Gewässer“. Untersteller räumt ein, dass gerade auch die Landwirtschaft durch dicht besiedeltes Gebiet unter Druck stehe, „auch die Landwirte haben aber einen Vorteil davon, wenn wir Gewässer wieder naturnaher gestalten“.

Landes-Umweltminister Franz Untersteller besucht die Stille Musel in Donaueschingen und Bettina Sättele, Biber-Beauftragte vom Regierungspräsidium informiert über ihre schwierige Arbeit im Umgang mit Europas größtem Nager. Er macht sich zunehmend auch auf der Baar breit, wissen Landrats-Stellvertreter Joachim Gwinner, die Landtagsabgeordnete Martina Braun und Bernhard Bolkart hat als Landwirt seine Sorgen mit dem Biber. 

Bernhard Bolkart, Landwirt und Vorsitzender des Kreisverbandes Villingen des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV), hat gemeinsam mit seinem Bruder Stefan, dem Pächter des Donaueschinger Weiherhofs, mitgeholfen, das Projekt Stille Musel ins Laufen zu bringen. Die Landwirte kümmern sich um die in der Nähe entstandene Kiebitz-Brutfläche, die vor allem im Frühjahr überflutet sein muss. Sie kümmern sich außerdem um die Unterhaltung des Gewässers und des Randstreifens, der der Natur überlassen werden soll. „Und wir versuchen, mit dem Biber zurecht zu kommen“, sagt Bernhard Bolkart. Die Stille Musel auf dem Weg zum "fast" naturnahen Bachlauf:

Carla André vom Wasserwirtschaftsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises hat Renaturierung und Umbau des einst schnurgerade verlaufenden Wasserlaufs entlang der B27 mit vielen guten Ideen begleitet. "Jetzt hoffen wir darauf, dass die Natur den Rest besorgt", sagt sie.

Bettina Sättele, Biberbeauftragte beim Regierungspräsidium, und Carla André haben eine Lösung gefunden: Mit einem 430 Meter langen Drainage-Hauptsammler und einem Bypass an der Musel. „Der Biber kann jetzt bauen, wie er will“, ohne dass Überschwemmungen die Folge seien. Bernhard Bolkart ist überzeugt, „dass wir etwas Gutes geschaffen haben“, sagt er, zeigt sich vorerst aber noch skeptisch. Bisher wurden die „besten Ackerböden der Region“ durch die Arbeit des Bibers überschwemmt. Der beginne im Herbst damit, den Damm höher zu bauen. „Der Härtetest kommt dann im Frühjahr.“ Bettina Sättlele wiederum ist überzeugt, dass ein erfolgreiches Biber-Management nur „zusammen mit den Landwirten gemacht werden kann.“ Sie will auch einen neuen Leitfaden für die Kommunen erstellen: Darin könne dann festgelegt werden, wo der Biber langfristig bleiben darf und wo er verjagt werden müsse. Das wird für die Wasserläufe getan •

Hochwasserschutz: Der 2011 westlich Wolterdingen im Bregtal fertiggestellte Damm für den Hochwasserschutz an der Donau hat 22 Millionen Euro gekostet und ist als Teil des Integrierten Donauprogramms (IDP) von großer Bedeutung. Die Einrichtung hat bei Hochwasser-Ereignissen angeblich bis nach Riedlingen spürbare positive Auswirkungen, indem Flutauswirkungen gemildert werden.

• Ausgleich:
Der große Damm mit 460 Metern Kronenlänge und einer Breite von 100 Metern an der Sohle hatte zur Folge, dass im Bereich Wolterdingen bis zu 20 kleinere oder größere Baumaßnahmen folgten, um unter anderem einen Ausgleich für den Eingriff in Landschaft und Natur zu schaffen: Es entstand eine Wildflusszone im Bereich In der Enge in der Nähe des Sägewerks Willmann, vom Ortseingang Wolterdingen bis Bruggen. Es wurden neue Nebengerinne für die Breg geschaffen und eine ein Kilometer lange neue Fließstrecke. Historische Luftbilder zeigten den früheren Verlauf, an dem man sich jetzt wieder orientiert.

• Stille Musel:
Der Bachlauf dieses kleinen Fließgewässers wurde schon vor rund 100 Jahren begradigt und in ein enges Flussbett gezwängt, um mehr landwirtschaftliche Fläche zu gewinnen. Das Bett wurde außerdem vertieft. Mit der Renaturierung wird nun zum Rückzug geblasen: Die Stille Musel soll wieder in Mäandern verlaufen dürfen und sich möglichst naturnah entwickeln. 
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